Chorzow

Chorzow - (polnisch Chorzów Stary), Ort im oberschlesischen Industriegebiet, später Teil der Stadt Königshütte. Chorzow ist eine alte Pfarrei, deren Anfänge im 13. Jahrhundert liegen. Die jetzige Kirche zu St. Maria-Magdalena wurde 1892 fertigestelllt.
     Wappen v. Königshütte
Ortsbeschreibung/Geschichte

zu den Photos          Straßenkarte von Chorzow (1941)                                 zurück zur Hauptseite


062    Suchan, Anton Johann, * Chorzow 29.5.1823, + Heyduk
          oo Beuthen 26.10.1852
063    Horzella, Dorothea, * Beuthen 4.2.1835, + Heyduk
 

124    Suchan, Martin, Freibauer
          oo Chorzow 23.2.1813
125    Perkacz, Johanna Eleonora, * Chorzow 1.7.1793
 

250    Perkacz, Leopold, Schmied, * 1765/66
          oo Chorzow 17.1.1790
251    Kremer, Eleonora, * 1769/70
 

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Photographien

1) Ortsansicht Chorzow
2) Kirche von Chorzow (St. Maria Magdalena)
3) Kirche von Chorzow (früher)
4) Alte Postkarte - Kirchstraße
5) Bauernhäuser in Chorzow (früher)
6) Wilhelmplatz mit Feuerwehr-Depot

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Ortsbeschreibung

Chorzow - 1 Meile von der Kreisstadt und 1/4 Meile von Königshütte entfernt, zerfällt in ein Rittergut ein Kirchdorf und zwei Bergwerks-Ortschaften.
Dasd Dorf Chorzow, aus der eigentlichen Ortschaft und der Colonie Wenslowietz [Wenzlowitz] bestehend, zählt 8 Bauern, 76 Gärtner und 74 Häusler mit einem Grunbesitzer von 784 Morgen Acker, 54  Morgen Garten und 3 Morgen Hutung. Der Viehbestand (incl. Dominium) beträgt 126 Pferde, 6 Fohlen, 2 Stiere, 266 Kühe, 39 Stück Jungvieh, 4 Ziegen, 169 Schweine. Gewerbetreibende sind : 8 Schankwirte, 7 Kaufleute, 3 Krämer, 4 Bäcker, 4 Fleischer, 4 Schuhmacher, 4 Schneider, 1 Zinnarbeiter, 1 Böttcher, 5 Maurergesellen und 6 Schmiede.
In der ganzen Gemeinde Chorzow kommen 229 Thlr. Graund-, 59 Thlr. Haus-, 36 Thlr. Einkommens-, 1243 Thlr. Klassen- und 113 Thlr Gewerbesteuer auf. Es befindet sich in Chorzow eine alte katholische Kirche für 4596 Parochianen, welche von Bisthum Breslau ohne Concurrenz der Parochianen unterhalten wird, und zu welcher Domb, Bedersdorf und Josephsdorf eingepfarrt sind. In der katholischen Schule, für welche 1860 ein neues großes Gebäude aufgeführt ist, werden 400 Kinder durch 3 Lehrer unterrichtet.

(Quelle : Felix Triest, Topographisches Handbuch von Oberschlesien, 1864/65)

Aus der Geschichte

    Chorzow und das mit ihm früher vereinigte Domb (heute Stadtteil von Kattowitz) erscheinen von Beginn der historischen Nachrichten an (1136) als Güter des Kloster des "Ordens vom Heiligen Grabe" zu Miechow.  Diese Ordensniederlassung zu Miechow war eine deutsche Niederlassung, der Abt und sämtliche Konventsmitglieder waren Deutsche.  Dem deutschen Abte Heinrich wurde seinerzeit das Dorf Chorzow zur Aussetzung nach deutschem Recht übertragen.  Ein späterer Abt Heinrich spielte im sogenannten Aufstand der Deutschen im Krakauer Lande von Miechow aus eine hervorragende Rolle als Deutschtumsführer. Es ist darum höchst wahrscheinlich, dass die Neuaussetzung der beiden klösterlichen Güter Chorzow und Domb gegen Ende des 13. Jahrhunderts nicht nur auf deutschrechtlicher Grundlage erfolgte, sondern dass diese neuen Dörfer damals auch direkt von deutschen Bauern angesiedelt und angelegt worden sind.  Chorzow und Domb bilden mit anderen, ursprünglich deutsch besiedelten Dörfern des Beuthener Landes wie: Deutsch-Dombrowka, Kamin, Deutsch-Beckern (Dt. Piekar), Rossberg, Schomberg, Lagiewnik u.a. einen Kranz ursprünglich deutscher Siedlungsdörfer um die gleichfalls deutsche Stadtgründung Beuthen.
    Über die Geschichte des Dorfes Chorzow schreibt Dr. P. Hübner folgendes:
    " Ebenso wie das ganze erste Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung für Schlesien ein weisses, unbeschriebenes Blatt ist, so sind auch die Uranfänge von Chorzow in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt.  Über die Gründung und Entstehung fehlt jeder Anhalt, keine Urkunde ist vorhanden, die darüber Aufschluss geben könnte.
    Nach den ältesten Nachrichten und dem übereinstimmenden Urteil der Geschichtsforscher waren es Slawen, die nach der im 4. und 5. Jahrhundert erfolgten Völkerwanderung Oberschlesien besiedelten.  Auch Chorzow ist eine uralte slawische Gründung, in der Deutsche erst nach dem Einfall der Mongolen (1241) ansässig wurden.
    In der Geschichte wird Chorzow zum ersten Male im Jahre 1136 erwähnt.  Am 7. Juli 1136 bestätigte Papst Innocenz II. zu Pisa dem Erzbischof Jakob von Gnesen gewisse Besitzungen und Einkünfte, darunter den Zehnten vom Eisen, die diesem aus Schlesien und aus dem Beuthener Land zustehen.
    In dieser Urkunde, die übrigens noch heute erhalten ist und sich im Kapitelarchiv in Gnesen befindet, heisst es: "Item villa ante Eitom, quae Zuersow dicitur, cum rusticis, argenti fossoribus, cum ducibus tabernis nonnisi ad archiepiscopi pertinet jurisdictionem." ("Ebenso soll das Dorf vor Beuthen, welches Chorzow genannt wird, mit den Bauern, mit den Silbergräbern, mit 2 Gasthäusern der alleinigen Gerichtsbarkeit des Erzbischofs unterstellt sein.")
    Eine Fülle interessanter, wissenswerter Tatsachen kann man aus dieser Urkunde schöpfen.  Zu unserem grössten Erstaunen erfahren wir, dass Chorzow auf eine 800 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann. Auffallend ist die Schreibweise des Ortsnamens Zuersow, deren sich die ältesten Urkunden bis etwa um das Jahr 1300 bedienen.  Von da ab lautet der Ortsname Charzow, vereinzelt aber taucht auch Karzuff und Garow auf.  Nach einer früher verbreiteten Ansicht ist Chorzow von tchorz = Iltis, verächtlich aber auch Feigiing, Hasenfuss abzuleiten.  Um Chorzow, so erklärte man, waren dichte Wälder, in denen furchtsamer, scheue Bewohner Unterschlupf fanden.  Diese Deutung erscheint aber sehr gesucht und unwahrscheinlich.
    Einen besseren Anhaltspunkt für die Ableitung bietet die in der erwähnten Urkunde angewandte Schreibweise des Ortsnamens Zuersow.  Es liegt sehr nahe, diesen Namen von zwierze = das wilde Tier abzuleiten.  Danach wäre Chorzow der Ort, wo viel Wild einzutreffen ist.  Diese Annahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn wir uns erinnern, dass der polnische Herzog Boleslaus Chrobry (992-1025) sich in der Gegend von Beuthen ein Jagdschloss errichtet haben soll, wozu er sich eine besonders wildreiche Gegend ausgesucht haben wird.
    Wie die Urkunde vom Jahre 1136 weiter ergibt, gehörte das Beuthener Land und damit auch Chorzow in kirchlicher Beziehung zum Erzbistum Gnesen, eine auffallende Tatsache, die aber leicht erklärt werden kann: Als nämlich der deutsche Kaiser Otto III. im Jahre 1000 eine Wallfahrt zum Grabe des heiligen Adalbert in Gnesen unternahm, hatte er, wie Grünhagen in seiner Geschichte Schiesiens berichtet, in Eilau bei Sprottau eine Zusammenkunft mit dem polnischen Herzog Boleslaus Chrobry.  Die Folge dieses Zusammentreffens war die Loslösung Polens von dem deutschen Erzbistum Magdeburg sowie die Errichtung einer selbständigen kirchlichen Organisation für ganz Polen unter dem Erzstift Gnesen.
    Fast zu gleicher Zeit wurde auch das zum polnischen Reiche gehörige Bistum Breslciu gegründet, das sich selbständig und ohne Anlehnung an ein deutsches Bistum entwickelte.  Die Abgrenzung der beiden Bistümer Gnesen und Breslau wurde lange Zeit hinausgeschoben, bis endlich Papst Gregor VII. zur Regelung der verworrenen Grenzverhaltnisse einen Legaten entsandte.  Die genauere Festsetzung der Grenzen geschah erst im Jahre 1123 durch den Kardinal Aegidius von Tusculum, den Legaten des Papstes Calix II.  Durch päpstliches Privileg erfuhren die Grenzbestimmungen des Legaten Aegidius in Pisa am 7. Juli 1136 ihre Bestätigung.  In dieser hierüber aufgenommenen Urkunde wird das Beuthener Land und Chorzow zum Erzbistum Gnesen zugewiesen.
    Nur etwa 100 Jahre noch blieben das Beuthener Land und Chorzow beim Erzbistum Gnesen.  Etwa um das Jahr 1250 kamen Beuthen und Chorzow zur Diözese Krakau, der sie bis in die neueste Zeit angehörten.  Erst im Jahre 1821, also erst nach 80jahriger preussischer Herrschaft wurden die Dekanate Beuthen und Pless dem Bistum Breslau einverleibt.
    Politisch gehörten das Beuthener Land und Chorzow im Anfang des 11.  Jahrhunderts zum Königreich Polen, ohne jedoch einen Bestandteil der ebenfalls zum polnischen Reiche gehörenden Provinz Schlesien zu bilden.  In Polen regierte damals Herzog Boleslaus III.  Bei Polen verblieb auch das Beuthener Land, als im Jahre 1163 das Grenzland Schlesien "für immer" vom Königreich Polen getrennt wurde und eigene von Polen unabhängige Herzöge aus dem Geschlechte der Piasten erhielt.  Das Beuthener Land blieb unter polnischen Herrschaft noch bis zum Jahre 1179, wo König Casimir II. die Gebiete von Auschwitz und Siewierz (das spätere Neu-Schlesien) nebst dem Beuthener Lande an den schlesischen Herzog Miecislav von Ratibor abtrat.  Seit diesem geschichtlich bedeutsamen Zeitpunkt ist das Beuthener Land gänzlich von Polen losgelöst, von da an beginnt seine Zugehörigkeit zu Schlesien, mit dem es ununterbrochen seit 750 Jahren verbunden ist und dessen Geschicke es bis zum heutigen Tage geteilt hat.
    Die Urkunde von 1136 gibt uns ferner Aufschluss darüber, dass in Chorzow wie noch heutigen Tages Ackerbau getrieben wurde, und zwar scheint der Ackerbau die Hauptbeschäftigurig der Bewohner gebildet zu haben.  Dafür spricht der Umstand, dass die Bauern an erster Stelle genannt werden.  Erst in zweiter Linie werden die Silbergraber und der Silberbergbau erwähnt.  Die Urkunde stellt damit unbestritten das älteste geschichtliche Zeugnis dar, das über den Bergbau nicht, bloss in Oberschlesien, sondern in Schlesien überhaupt vorhanden ist.  Selbst der uralte Bergbau von Schmiedeberg, Kupferberg, Goldberg und Reichenstein wird erst durch spätere Urkunden bezeugt.
    Die Chorzower Gegend war reich an Silbererzen, der Bergbau wurde jedoch bald durch Eindringen grosser Wassermassen lahmgelegt und als nicht mehr lohnend aufgegeben.  Erst vier Jahrhunderte speiter begann man in der Chorzower Gegend wieder Bergbau zu treiben und zwar grub man Bleierz.  Nach den vorhandenen Urkunden mutete man in den Jahren 1532-1553 im Chorzower Revier nicht weniger als 109 Schächte für Bleierz.  Später um das Jahr 1597 wurde auch Eisenerz gewonnen.
    Dass schliesslich die Bewohner von Chorzow bereits im Jahre 1136 an Durst litten, beweist die Erwähnung zweier Tabernen (Gasthäuser).  Es fehlen allerdings weitere Angaben, insbesondere darüber, was es dort alles zu trinken gab.  Die Silbergrüber von Chorzow werden wohl zu ihren hauptsächlichsten Besucherrt gezählt haben.  Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass die in der päpstlichen Urkunde vom Jahre 1136 erwähnten Gasthäuser noch heute bestehen . Diese noch heute allgemein als "bischöflich" bezeichneten Gasthäuser sind das Dominialgasthaus von Kaluza an der nach Laurahütte führenden Chaussee, sodann das früher Wolf'sche, jetzt Suchan'sche Gasthaus.  Wir dürfen mit Recht behaupten, dass diese beiden Gasthäuser die ältesten Gasthäuser nicht bloss Oberschlesiens, sondern ganz Schiesiens, vielleicht sogar von ganz Deutschland sind.
    Leider fand die erste Blütezeit von Chorzow ein jähes Ende, als im Jahre 1241 der alles verheerende Mongolensturm durch das Land brauste.  Chorzow wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt.  Die Tataren, so heisst es in einer noch vorhandenen, bei der Regierung in Oppeln befindlichen Urkunde vom Jahre 1257, wüteten gegen die Dörfer Chorzow und Domb derart grausam, dass nur die kahlen Felder und der Name der Ortschaften verblieben, oder wie die Chronik sagt: "Sevierunt etiam ferro et igni in villas Charzow et Domb ita crudeliter, ut tantum nudae areae earundarum villarum et nomen remanserint."
    Die Besitzverhaltnisse blieben bei Chorzow seit dem 13. Jahrhundert, in dem es aus unmittelbarem herzoglichen Besitz in den des Klosters zu Miechow gelangte, unverändert die gleichen.  Besitzer und Grundherr war seitdem immer das Kloster zu Miechow, das dem Hospitalmeister des "Hospizes zum heiligen Geist" vor Beuthen, einem Ordensmitgliede, die Verwaltung und Nutzniessung der Dörfer Chorzow und Domb übertrug.
    Nach dem Einfall der Tataren schenkte der Herzog Wladislaus von Oppeln und Ratibor im Jahre 1257 dem Miechower Probst die Felder in der Absicht, dass er diese neuen Ansiedlern zuweise.  Die Schenkungsurkunde vom 24.  Juni 1257 ist in einer nach einer Kirchenvisitation zu Chorzow hinterbliebenen Orkunde vom 27.  September 1792 ausdrücklich erwähnt.  Der Herzog Wladislaus (1230-1286) hat dem Kloster Miechow erlaubt, die beiden Dörfer Chorzow und Domb nach deutscher Dorfverfassung neu zugründen.  Das Kloster Miechow nun war seit der Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin im Jahre 1187 der Sitz des Generalabts der Jerusalemer Grabhüter Kreuzherren mit dem doppelten roten Kreuz.  Die zum Besitz des Klosters gehörenden Dörfer, also auch Chorzow, trugen das Wappen des Klosters.  Uebrigens gehörte Chorzow später zur Grundherrschaft des Hospitals in Beuthen, dem der Herzog von Beuthen, Kasimir (1289-1312), auf "ewige Zeiten Freiheit gegeben von allen Zahlingen und Steuern, nämlich von der Pflugsteuer, von der Kuh, vom Schweine, vom Bergbau, vom Fuhrwerk, von der Gewalt des Kastellans und seiner Richter...".
   Die Einwohner von Chorzow wurden alsbald wohlhabende Bauern, und durch die Jahrhunderte hat sich das Chorzower Bauerntum bis heute erhalten. (nach : "Kleines Stadtbuch von Königshütte")
    Die erste Kirche von Chorzow aus Holz wurde im Jahre 1721 durch eine aus Stein ersetzt. Diese wiederum brannte 1782 zussmann mit großen Teilen Chorzows ab. 1785 wurde sie wieder aufgebaut. Die heutige Kirche (Bild) wurde 1888-1892 gemäß den Plänen von Ebers aus Breslau vom Architekten Grundmann wieder aufgebaut.

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